ANJA und STEFFEN bescheren euch einen kleinen Review zum diesjährigen Comic-Festival in München – minimal verspätet, dafür mit ihrem ganz eigenen Blickwinkel auf die Sache …
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Achtung!
Da eine 1. Version des Videos nicht richtig lief (alle Einklinker waren weg), mussten wir die Datei neu hochladen.
Dadurch sind neben den Likes auch einige Kommentare verloren gegangen.
Einer davon , von Jens R. Nielsen (Redakteur/Übersetzer Dantes Verlag) ist inhaltlich besonders , deswegen haben wir den hier als Ergänzung rüber gezogen:
„Moin, ihr zwei. Eine gefährlich lustige Folge … Vielen Dank für die Präsentation von „Simancas“. Ich bin wieder einmal beeindruckt von Anjas hellseherischen Fähigkeiten, was den Inhalt von ihr angeblich nicht wirklich gelesener Comics angeht. Ob sie sich doch von Michl und Josch am Dantes-Stand hat beeinflussen lassen? Für alle, die nicht in München waren und über keine Glaskugel verfügen, hier ein paar absurd anmutende Informationen zum Hintergrund des Titels: a) Der Titel ist in Spanien in einer „Geschichte im Comic“-Reihe erschienen. Pädagogischer Anspruch = keine weiblichen Figuren und keine abgetrennten Gliedmaßen (außer Köpfen). b) Ob es bei Simancas tatsächlich eine große Schlacht gegeben hat, ist archäologisch bisher nicht nachgewiesen. c) Es gibt einen einzigen einigermaßen zeitgenössischen Bericht, in dem die Schlacht erwähnt wird [die Quelle wird in „Simancas“ präsentiert]. Problem dabei: Der Autor hat im Auftrag des Kalifs geschrieben … und es kann sein, dass er diesem gegenüber nicht wohlgesonnen war [weil er, der Kalif, eine christliche Mutter und eine christliche Großmutter gehabt haben soll und also für die arabischen Stammesfürsten nicht „stubenrein“ gewesen ist; oder weil der Autor sich damit schwergetan hat, eine erfundene Geschichte als „historisches Faktum“ auszugeben (die arabischen Gelehrten des 10. Jahrhunderts standen immer noch in der wissenschaftlichen Tradition der antiken Geschichtsschreibung)]. Die Andeutungen in der Quelle, dass der Kalif sich einen Sieg hat zuschreiben lassen, der in Wahrheit eine Niederlage gewesen sei [oder gar nichts], könnten also interessengeleitet gewesen sein. d) Christliche Quellen zur Schlacht tauchen erst zur Zeit der Gegenreformation auf … also fünfhundert Jahre später [weswegen der schreibende Mönch in „Simancas“ namenlos bleibt: Er hat kein historisch fassbares Vorbild]. Es ist gut möglich, dass diese verspäteten „Berichte“ in erster Linie gegen die damaligen Protestanten gerichtet waren. [Nach dem Motto: „Unsere Vorfahren haben die Muslime besiegt, da werden wir heute auch mit Lutheranern und Calvinisten fertig!“] Wahrscheinlich ist der vorhandene muslimische Bericht einfach adaptiert und aufgebauscht worden. e) Die vernichtende Niederlage der Muslime im zweiten Teil der Schlacht taucht überhaupt nur in der späten christlichen Quelle auf. Der behauptete Austragungsort des „zweiten Schlachtteils“ ist bisher nicht identifiziert worden; alle diesbezüglich vorgeschlagenen [weit auseinanderliegenden] Orte gehen entweder nicht mit dem geschilderten Geschehen konform oder ergeben militärstrategisch keinen Sinn. [Warum, zum Beispiel, soll der um seinen Tross gebrachte Kalif, wenn er schnellstens nach Südosten zurück wollte, erst einmal nach Westen marschiert sein? Dorthin, wo die christlichen Fürsten ihre Burgen gehabt haben?] f) Diese historische Fiktion hat konkrete Auswirkungen bis in die Gegenwart, weil christliche „Überlegenheitserzählungen“ über die angeblich dekadenten und unfähigen Muslime natürlich den Nährboden für die rassistischen und antimuslimischen Narrative bilden, die heute über das Internet global verbreitet werden – und die ihrerseits dschihadistischen Pseudoargumentationen Nahrung bieten. Das Artwork von Raúlo ist nur der Köder, um euch in eine spannende und lehrreiche Fabel über geschichtliche Konstruktionen zu locken. Mit 1000 Grüßen, JRN [der „Simancas“ lektoriert hat]“